[07.07.2026]
Werke voll sanfter Ironie, tiefem Humanismus und feinem Humor
Begründung der Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2026 an den Schriftsteller Jaroslav Rudiš
Jaroslav Rudiš ist ein tschechischer Schriftsteller, Dramatiker, Comic- und Drehbuchautor mit Lebensmittelpunkten in Lomnice nad Popelkou und Berlin, der in tschechischer und deutscher Sprache schreibt. Dabei überschreitet er die Grenzen von Sprache, Nationalitäten, Geschichte und Geografie und kommt gleichzeitig den Menschen – seinen Lesern wie den Protagonisten in seinen Büchern - sehr nahe. Mit seinem literarischen Werk, aber auch in seinen Cross-over-Projekten greift Rudiš immer wieder die gemeinsamen, dramatischen und oft schmerzhaften Veränderungen des 20. und 21. Jahrhunderts auf und schafft einen Raum für die Reflexion der Vergangenheit, in denen Menschen im Vordergrund stehen, während Politik, Kriege, Verfolgung und Vertreibung als historische Matrix oft im Hintergrund bleiben.
In seinen vielfach ausgezeichneten und in zahlreiche Sprachen übersetzten Büchern werden zum Beispiel Reisen zu Metaphern für Erinnerung, Veränderung und Versöhnung mit der Vergangenheit, das Erleben der Gegenwart wird zu einem erwartungsvollen Blick in die Zukunft, Bahnhöfe werden zu Orientierungspunkten. Die Protagonisten seiner Prosa sind oft „Passagiere in der Schwebe”: zwischen Ost und West, zwischen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Erinnern und Vergessen. Durch sie fühlt der Leser, dass gerade in unserem Teil der Welt, in Mitteleuropa, die Geschichte unter der Oberfläche der alltäglichen Gespräche, der Witze und manchmal auch des Schweigens weiterlebt.
Rudiš Werke sind voller sanfter Ironie, tiefem Humanismus und feinem Humor. So schreibt er in seiner Laudatio auf den ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch: „Nicht nur Liebe und Wahrheit, sondern auch Humor kann den Tod und die Lüge besiegen. Humor bedeutet Anarchie und vor allem Freiheit. Deshalb wird er von den Diktatoren dieser Welt …. gehasst.“. Rudiš liebt Menschen und sucht sie in den verschlungenen, dunklen Gängen der Historie. Er hat so eine einzigartige literarische Welt geschaffen, in der sich Geschichte mit intimen Erfahrungen und Humor mit Melancholie verflechten und schöpft Licht aus Orten, an denen andere nur Schatten sehen - ohne Vereinfachungen, mit Zärtlichkeit, aber auch mit Distanz, nicht selten mit einem Hauch von Nostalgie, aber ohne Idealisierung. So führen in einem seiner Hauptwerke, „Winterbergs letzte Reise“, mindestens vier Kulturen und Mentalitäten einen Dialog: die tschechische, die deutsche, die österreichische und die polnische. In diesem Buch spielt der Architekt Rudolf Bitzan eine zentrale Rolle, der die Görlitzer Kreuzkirche und das Krematorium entworfen hat.
In seinem Werk und bei seinen Auftritten lebt und vertritt Jaroslav Rudiš zentrale europäische Werte wie Völkerverständigung und Internationalität, Demokratie und Freiheit. Er ist eine der wirkmächtigsten Stimmen der Aussöhnung zwischen Tschechen, Polen und Deutschen, ein Schriftsteller des Dialog und einer der wichtigsten transnationalen Brückenbauer aus dem tschechisch-deutsch-polnischen Grenzgebiet.
Görlitz, im Juni 2026
Prof. Dr. Willi Xylander
Präsident der Gesellschaft für das Jahr 2026
In seinen vielfach ausgezeichneten und in zahlreiche Sprachen übersetzten Büchern werden zum Beispiel Reisen zu Metaphern für Erinnerung, Veränderung und Versöhnung mit der Vergangenheit, das Erleben der Gegenwart wird zu einem erwartungsvollen Blick in die Zukunft, Bahnhöfe werden zu Orientierungspunkten. Die Protagonisten seiner Prosa sind oft „Passagiere in der Schwebe”: zwischen Ost und West, zwischen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Erinnern und Vergessen. Durch sie fühlt der Leser, dass gerade in unserem Teil der Welt, in Mitteleuropa, die Geschichte unter der Oberfläche der alltäglichen Gespräche, der Witze und manchmal auch des Schweigens weiterlebt.
Rudiš Werke sind voller sanfter Ironie, tiefem Humanismus und feinem Humor. So schreibt er in seiner Laudatio auf den ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch: „Nicht nur Liebe und Wahrheit, sondern auch Humor kann den Tod und die Lüge besiegen. Humor bedeutet Anarchie und vor allem Freiheit. Deshalb wird er von den Diktatoren dieser Welt …. gehasst.“. Rudiš liebt Menschen und sucht sie in den verschlungenen, dunklen Gängen der Historie. Er hat so eine einzigartige literarische Welt geschaffen, in der sich Geschichte mit intimen Erfahrungen und Humor mit Melancholie verflechten und schöpft Licht aus Orten, an denen andere nur Schatten sehen - ohne Vereinfachungen, mit Zärtlichkeit, aber auch mit Distanz, nicht selten mit einem Hauch von Nostalgie, aber ohne Idealisierung. So führen in einem seiner Hauptwerke, „Winterbergs letzte Reise“, mindestens vier Kulturen und Mentalitäten einen Dialog: die tschechische, die deutsche, die österreichische und die polnische. In diesem Buch spielt der Architekt Rudolf Bitzan eine zentrale Rolle, der die Görlitzer Kreuzkirche und das Krematorium entworfen hat.
In seinem Werk und bei seinen Auftritten lebt und vertritt Jaroslav Rudiš zentrale europäische Werte wie Völkerverständigung und Internationalität, Demokratie und Freiheit. Er ist eine der wirkmächtigsten Stimmen der Aussöhnung zwischen Tschechen, Polen und Deutschen, ein Schriftsteller des Dialog und einer der wichtigsten transnationalen Brückenbauer aus dem tschechisch-deutsch-polnischen Grenzgebiet.
Görlitz, im Juni 2026
Prof. Dr. Willi Xylander
Präsident der Gesellschaft für das Jahr 2026
