2008 - Prof. Dr. Fritz Stern
Amerikanischer Historiker
Prof. Dr. Fritz Stern erhält Internationalen Brückepreis 2008 der Europastadt Görlitz/Zgorzelec
Der Historiker Prof. Dr. Fritz Stern ist 2008 der Träger des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Die deutsch-polnische Doppelstadt an der Neiße ehrt seit 1993 mit dem Brückepreis Persönlichkeiten, die sich um die Verständigung in Europa in herausragendem Maße verdient gemacht haben. Im Unterschied zum Aachener Karls-Preis bezieht sich der Brückepreis stets auf das gesamte Lebenswerk.
Allen Geehrten ist der Wille gemeinsam, Trennendes zwischen den Völkern zu überwinden, Brücken zu bauen und eine friedliche Zukunft für Europa zu gestalten. Die bisherigen Preisträger sind:
Marion Gräfin Dönhoff 1993,
Adam Michnik 1995,
Jiři Grusa 1998,
Freya von Moltke 1999,
Arno Lustiger 2000,
Kardinal Miloslav Vlk 2001,
Prof. Dr. Wladyslaw Bartoszewski 2002,
Prof. Dr. Kurt Biedenkopf 2003,
Valdas Adamkus 2004,
Giora Feidman 2005,
Günter Grass 2006 (Annahme des Preises zurückgezogen),
Arvo Pärt 2007.
Prof. Dr. Fritz Stern hat trotz seiner negativen Erfahrungen mit Deutschland und dem deutschen Volk, das seine in Breslau lebende Familie 1938 zur Emigration in die USA gezwungen hat, um dem Holocaust zu entgehen, das Interesse an seinem Heimatland nie verloren. Auf der Basis seiner Forschungsarbeiten und seiner Expertise als international anerkannter Historiker für das Gebiet der europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hat er sich nach dem Krieg zunehmend und öffentlich für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten eingesetzt. Zeitgleich trat er als Vermittler für die Aussöhnung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern und hier besonders zwischen Deutschland und Polen ein.
Fritz Stern hat das Deutschland-Bild in den USA, aber auch in Europa geprägt. Und sein Bild von Deutschland in einem neuen Europa ist zwar ein kritisches, aber ein Bild der Hoffnung und des Vertrauens in die Demokratie und die Kräfte, die sie tragen. Seine Einschätzungen der politischen Lage hatten Gewicht auch bei den politisch Handelnden und seine persönliche Reputation setzte er ein, um Akzeptanz für den Wunsch der Deutschen nach Wiedervereinigung in den Jahren 1989 und 1990 zu erreichen.
70 Jahre nach der Vertreibung seiner Familie ehrt die Europastadt Fritz Stern mit dem Internationalen Brückepreis.
Görlitz, den 14.05.2008
Prof. Dr. Willi Xylander
Präsident der Gesellschaft