Brückepreis 2010
Die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises hat in ihrer Sitzung am 03. Februar 2010 den Brückepreisträger 2010 gewählt.
Tadeusz Mazowiecki hat den Brückepreis 2010 angenommen. Die Gesellschaft erwartet ihn im Herbst 2010 in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Der Termin für die Preisverleihung steht noch nicht fest. Als Laudator konnte die Gesellschaft Herrn Erzbischof Prof. Dr. Alfons Nossol gewinnen.
Begründung
für die Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2010
an Tadeusz Mazowiecki
Tadeusz Mazowiecki ist ein glühender Demokrat, Politiker, Staatsmann, namhafter Schriftsteller, Publizist, katholischer Aktivist und Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte. Er war der erste nicht-kommunistische Ministerpräsident in Mittel- und Osteuropa nach dem 2. Weltkrieg. Seine Bereitschaft, den Dialog mit dem deutschen Kanzler Helmut Kohl zu einem friedlichen Miteinander aktiv zu suchen und zukunftsorientiert zu führen, trug substantiell zur Entwicklung Europas in seiner heutigen Form bei – einschließlich der deutschen Einheit. Mazowiecki betonte in diesem Zusammenhang, dass „der Versöhnungsprozess kein Prozess des Vergessens ist. Dazu gehören die Aufgeschlossenheit, die Bereitschaft zum Dialog, zum Gespräch und zur Vergebung.“
Tadeusz Mazowiecki gründete 1958 die katholisch-intellektuelle Monatszeitschrift „Wiez“ und wurde deren Chefredakteur. Er beteiligte sich am Widerstand katholischer Intellektueller in Breslau gegen die kommunistische Regierung. Seit 1980 arbeitete er als Berater von Lech Walesa und nahm später an den berühmt gewordenen Runden-Tisch-Gesprächen teil. Tadeusz Mazowiecki entwickelte „die polnische Dialogform“, ohne die die friedliche Revolution der Solidarność und der gewaltlose Übergang von der Volksrepublik Polen in die 3. Republik Polens nicht möglich gewesen wäre. Diese Ereignisse waren ein bedeutender Impuls für die demokratische Wende in ganz Mittel- und Osteuropa.
Nach seinem Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten war er u. a. als UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im ehemaligen Jugoslawien tätig, wo er – unter Einsatz seines Lebens - die gravierenden Verletzungen der Menschenrechte seitens aller Parteien publik machte und anprangerte.
Die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises ehrt mit Tadeusz Mazowiecki im 20. Jahr nach der Wende einen der Menschen, der maßgeblich und durch seinen persönlichen Einsatz zu jener politischen und sozio-kulturellen Entwicklung beigetragen hat, die die deutsche Wiedervereinigung möglich machte. Sein Eintreten für die Freiheit in Europa, für Verständigung und Aussöhnung der Völker wirkt bis heute nach. Er ist einer der bedeutendsten Brückenbauer des 20. Jahrhunderts in Europa.
Görlitz, den 26. April 2010
Prof. Dr. Willi Xylander
Präsident der Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec